Klimawissen

Die Veränderungen des globalen Klimas sind eindeutig belegt. Die Temperaturzunahme der Erdatmosphäre und der Ozeane, das Schmelzen von Eis und Schnee, sowie der Anstieg des Meeresspiegels haben in den letzten Jahren laut IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) überproportional zugenommen (IPCC 2013: 4). Diese Entwicklung wird inzwischen auch politisch und gesellschaftlich anerkannt (UNFCCC 2009: 1).

Nicht alle klimatischen Veränderungen und Extreme sind auf anthropogene Ursachen zurückzuführen. Dennoch ist es sehr wahrscheinlich (extremely likely), dass der menschliche Einfluss den wesentlichen Grund für die signifikanten Klimaveränderungen darstellt (IPCC 2013: 17). Die daraus entstehenden ökologischen und sozialen Probleme, wie zum Beispiel eine schwindende Biodiversität, ein Verlust an Ökosystemdienstleistungen und eine erhöhte soziale Verwundbarkeit, führen die Handlungsnotwendigkeit u.a. im Sinne eines nachhaltigen Klimaschutzes deutlich vor Augen (O’Brien 2013: 587).

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit der gesamten Thematik setzt ein notwendiges Grundwissen voraus. Daher finden Sie nachfolgend eine Einführung in die zentralen Begriffe und Themen des Klimawandels und des Klimaschutzes. Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt nicht den eigenen Rechercheprozess.

Welche Ursachen hat der Klimawandel?

Das Leben auf der Erde wird u.a. durch das Vorhandensein einer Atmosphäre bedingt. In dieser Gashülle finden alle relevanten Wetter- und Klimaprozesse statt. Die spezifische Zusammensetzung der Atmosphäre sorgt für einen annähernd ausgeglichenen Strahlungshaushalt der Erde. Durch die regulierte Ein- und Ausstrahlung von Wärme, auch als natürlicher Treibhauseffekt bekannt, wird das Leben auf der Erde überhaupt erst möglich (Michler 2010: 32f).

Der vermehrte Ausstoß von Treibhausgasemissionen durch anthropogene Prozesse (wie die Energiegewinnung durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe) bringt das atmosphärische Gleichgewicht ins Wanken. Die Menge klimarelevanter Spurengase nimmt zu. Der natürliche Treibhauseffekt wird dadurch zusätzlich verstärkt, terrestrische Wärmestrahlung wird vermehrt auf die Erde zurückgeworfen und führt zu einer Zunahme der Globaltemperatur (Keilbach 2010: 115).

Welche Folgen hat der Klimawandel?

Die Folgen des globalen Klimawandels sind vielfältig und müssten grundsätzlich regional differenziert werden. Die signifikante Veränderung von Wärme- und Kälteperioden, Niederschlagsereignissen, Extremwettereignissen und der Meeresspiegelanstieg sind nur einige der unmittelbaren ökologischen Folgen des globalen Klimawandels (Vetter 2010: 211). Sollten unsere Ökosysteme nicht in der Lage sein auf diese schnellen Veränderungen zu reagieren, drohen irreparable Schäden, der Verlust von Artenvielfalt und Ökosystemdienstleitungen (wie z.B. sauberes Wasser, saubere Luft, verwertbare Biomasse) (O’Brien 2013: 587). Zusätzlich besteht die Gefahr von Rückkopplungseffekten wie zum Beispiel dem Auftauen der Permafrostböden, wodurch bisher gebundenes Methan freigesetzt wird, welches den Treibhauseffekt wiederum verstärkt.
Da Mensch und Umwelt ein interdependentes System bilden, haben Umweltveränderungen unmittelbare Auswirkungen auf anthropogene Systeme. Der Verlust an Lebensraum durch den Meeresspiegelanstieg, ein erhöhtes Verbreitungsrisiko von Krankheitsvektoren durch die Verschiebung von Temperaturgrenzen, Ernteausfälle durch veränderte Niederschlagsmuster oder die Zunahme und/oder Verschiebung von Extremwetterereignissen stellen nur einige der bereits auftretenden Herausforderungen dar (Vetter 2010: 211).

Welche Maßnahmen können ergriffen werden?

Mögliche Maßnahmen lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Maßnahmen zur Minderung/Eindämmung (mitigation) des Klimawandels oder zur Anpassung (adaptation) an den Klimawandel. Beide Ansätze sind notwendig, um mit den Herausforderungen umzugehen.
Eine Eindämmung des Klimawandels ist vor allem durch Emissionsreduktionen oder -vermeidungen erreichbar. Energiesparen, Nutzung von Ökostrom oder die Vermeidung von Flügen sind Beispiele für Minderungsmaßnahmen. Ebenfalls mindernd wirken Maßnahmen, die der Atmosphäre Treibhausgase entziehen, zum Beispiel die Aufforstung von Wäldern. Zum Bereich der Anpassung gehören beispielweise Infrastrukturmaßnahmen zum Küsten- oder Hochwasserschutz oder der Anbau wetterunempfindlicherer Nahrungsmittel.
Klimaschutzprojekte können im besten Fall sowohl eindämmend als auch anpassend wirken. Dies lässt sich beispielsweise an Wald-Klimaschutzprojekten veranschaulichen. Zum einen binden die Aufforstungsprojekte effektiv CO2 durch das Baumwachstum, wodurch das gebundene CO2 seine unmittelbare Klimawirkung verliert. Zum anderen bieten Wald-Klimaschutzprojekte Zusatznutzen (Co-Benefits) wie zum Beispiel Erosionsschutz gegenüber Starkregenereignissen (Gold Standard 2014). Dazu gehört u.a. auch eine gesicherte Lebensgrundlage für die Menschen vor Ort, zum Beispiel durch lokal geschaffene Arbeitsplätze und Wissenstransfer. Diese Sicherheit ermöglicht den Menschen dann wiederum Maßnahmen und Anpassungen gegenüber dem Klimawandel zu ergreifen.

Was bedeutet „klimaneutral“?

Trotz aller Bemühungen gibt es unvermeidbare oder nicht-weiter reduzierbare Emissionen. Diese Emissionen können über entsprechend zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert werden. „Klimaneutralität“ bedeutet, dass die Klimawirkung eines Unternehmens, einer Veranstaltung, eines Produkts oder Projekts, nach den Schritten der Bilanzierung, Emissionsreduktion und Kompensation, neutral ist. Die nicht weiter reduzierbaren Emissionen werden durch die CO2-Einsparung oder -Bindung innerhalb eines Klimaschutzprojekts neutralisiert.

Was ist ein CO2-Fußabdruck und wie wird er berechnet?

Der CO2-Fußabdruck (Carbon Footprint) beschreibt die ausgestoßene Menge an Treibhausgasen eines Unternehmens, einer Veranstaltung, eines Produkts oder sonstiger Untersuchungsgrößen in Bezug auf einen festgelegten Zeitraum. Die bilanzierten Emissionen werden in CO2-Äquivalenten (CO2e) erhoben, um alle klimawirksamen Gase (wie z.B. Methan oder Lachgas) berücksichtigen zu können.

Im Bereich der Bilanzierungsmethodik gibt es verschiedene Standards. CO2OL erstellt Ihren spezifischen Carbon Footprint nach der international anerkannten und weit verbreiteten Methodik des Greenhouse Gas Protocol Standards, welche vom World Ressource Institut in Zusammenarbeit mit der World Business Council for Sustainable Development und zahlreichen Stakeholdern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik entwickelt wurde. Grundsätzlich werden bei diesen Bilanzierungsprozessen Aktivitätsdaten (z.B. zurückgelegte Kilometer mit dem Auto) mit einem entsprechenden Emissionsfaktor (z.B. kg CO2e pro km) multipliziert. Daraus ergibt sich die verursachte Menge an CO2e.

Was sind CO2-Zertifikate?

CO2-Zertifiakte sind die nach internationalen Standards verbriefte Bestätigung einer eingesparten oder reduzierten Menge an CO2e. Diese Zertifikate können im Rahmen von Klimaschutzprojekten generiert und auf einem entsprechenden Markt verkauft werden. Nicht weiter reduzierbare Emissionen können durch den Kauf solche Zertifikate kompensiert werden. Der Gegenwert eines Zertifikats beträgt üblicherweise 1 Tonne CO2e.

Ist Emissionshandel nicht eine Art Ablasshandel?

Grundsätzlich ist der Emissionshandel der Versuch Umweltbelastungen, konkret Treibhausgasemissionen, mit einem Preis zu versehen. Auf dem verpflichtenden CO2-Markt wird dazu ein begrenztes Gesamtvolumen an Verschmutzungsrechten versteigert. Entsprechend müssen die betroffenen Unternehmen abwägen, ob es sich lohnt Emissionen einzusparen oder eine bestimmte Menge an Emissionsrechten zu kaufen. Auf dem europäischen Markt soll die verfügbare Menge an Emissionsrechten stetig verkleinert werden, sodass Unternehmen langfristig einen Kostenvorteil in der Emissionsreduktion sehen.
Auf dem freiwilligen Markt können alle Akteure, die nicht vom verpflichtenden Markt umfasst werden, CO2-Zertifikate erwerben und verkaufen. Durch den Erwerb von CO2-Zertifikaten auf dem freiwilligen Markt können Emissionen kompensiert und grundsätzlich Klimaschutzprojekte unterstützt werden. Um den Vorwurf des Ablasshandels nichtig zu machen, sollte ein Gesamtklimaschutzkonzept entwickelt werden, welches die Punkte der Bilanzierung, Reduktion und Kompensation umfasst. Die einfache Unterstützung eines Klimaschutzprojekts ist jedoch gegenüber jeglicher Inaktivität zu bevorzugen. Klimaschutzprojekte haben in jedem Fall eine positive Wirkung. Die Motivation des Engagements ist im Zuge einer umfassenden Strategie zu klären.

Welche Rolle spielen Wälder?

Wälder stabilisieren das globale Klima. Sie funktionieren wie große „Klimaanlagen“. Indem sie Sonnenenergie in Wasserdampf umwandeln, kühlen sie die Atmosphäre und sind für den Niederschlag in vielen Regionen südlich und nördlich des Äquators verantwortlich. Wälder sind ein Garant für Regen und Wasserkreisläufe – weltweit. Sie ermöglichen damit Leben. Sie versorgen Städte, Landwirtschaft und Industrie mit Wasser. Sie sichern die Existenz der Menschheit. Waldzerstörung bedroht diese Lebensgrundlage.
Wälder, vor allem in den Tropen, aber auch in Gunststandorten der nördlichen Breiten, speichern zudem enorme Mengen Kohlendioxid. Verschwinden sie, entweicht das klimaschädliche Treibhausgas in die Atmosphäre. Entwaldung ist für 17 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Bei Kahlschlägen oder Brandrodungen entweichen zusätzlich nicht nur der im Holz gespeicherte Kohlenstoff, sondern auch klimawirksame Gase aus Humus und Böden. Besonders gravierend ist die Entwaldung im tropischen Waldgürtel der Erde. Der Kampf gegen den Klimawandel kann nicht ohne den Erhalt der tropischen Wälder gewonnen werden.
Der dem entgegenwirkende Waldschutz und die Wiederaufforstung möglichst naturnaher Waldflächen bildet ein Gegengewicht. Neben den ökologischen Vorteilen für Klima, Flora und Fauna, bilden auch die weiteren durch die Projekte geschaffenen Co-Benefits, wie ein alternatives, sicheres Einkommen und Wissenstransfer einen wesentlichen Baustein des nachhaltigen Klimaschutzes.

Warum ist es so schwierig, Wälder zu bewahren und nachhaltig zu bewirtschaften?

Weil die Umwandlung in andere Nutzungsformen bislang weitaus lukrativer ist als der Walderhalt und so viele verschiedene Faktoren wirken: Wälder dienen der Holzgewinnung und weichen zudem für die Landwirtschaft, dem Abbau von Rohstoffen und Infrastrukturprojekten. Getrieben wird Entwaldung vor allem von der Nachfrage in Industriestaaten nach Agrarprodukten wie Rindfleisch, Palmöl und Soja. So gehen rund 60 Prozent der Entwaldung in Brasilien auf das Konto der Viehzucht, um neue Weideflächen für Rinder zu schaffen. In Indonesien wird der Großteil der Wälder gerodet, um Palmöl-Plantagen anzulegen. Armut und eine wachsende Bevölkerung in Entwicklungsländern verstärken den Nutzungsdruck. Entscheidend ist: Es ist wirtschaftlich weitaus lukrativer, einen Naturwald zu roden und die Fläche anders, meist landwirtschaftlich, zu nutzen. Der Wert eines Naturwaldes und seiner “Leistungen” für Umwelt und Mensch ist bislang zu gering. Erst wenn die vielfältigen ökologischen und damit gesellschaftlichen Funktionen eines Waldes monetär berücksichtigt werden, steigen die Chancen, Wälder in notwendigem Umfang zu erhalten.

Welche Vorteile bieten Aufforstungen gegenüber anderen Möglichkeiten der CO2-Kompensation?

Aufforstungsprojekte bieten die einzige Möglichkeit CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre zu ziehen. Es handelt sich um eine direkte CO2-Bindung, da Bäume CO2 für den Prozess der Photosynthese benötigen, bei dem Kohlenstoffdioxid in feste Biomasse (Holz) und Sauerstoff umgewandelt wird. Trotz fortschrittlicher Technik hat der Mensch es bisher nicht geschafft diesen Kniff der Natur zu imitieren.
Demgegenüber arbeiten andere Klimaschutzprojekte, zum Beispiel erneuerbare Energien Projekte, nach dem Prinzip der indirekten Reduktion, d.h. es werden Emissionen eingespart die im Falle eines Business-as-usual Szenarios anfallen würden („Wie viel Kohle würde verheizt werden, wenn dieses Wasserkraftwerk nicht gebaut werden würde?“)
Ein weiterer Vorteil von Wald-Klimaschutzprojekten sind die Co-Benefits. Durch die Aufforstung in Mischkultur mit überwiegend einheimischen Baumarten wird ein neues biodiverses Waldsystem geschaffen, dass Lebensraum und Rückzugsstätte für gefährdete Tier- und Pflanzenarten bietet und wichtige Funktionen wie Erosions- und Wasserschutz erfüllt (Gold Standard 2014). Zusätzlich bieten die Aufforstungen auch wichtige Vorteile für die lokale Bevölkerung in den Projektländern: Die Projekte schaffen für die größtenteils indigene, lokale Bevölkerung langfristige und sichere Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten sowie ein faires Gehalt (Gold Standard 2014). Diese Benefits werden im Zuge der Projektzertifizierung, z.B. durch den Gold Standard, mitgeprüft.

Quellen

IPCC (2013): Working Group I Contribution to the Fifth Assessment Report. Climate Change: The Physical Science Basis. Summary for Policy Makers. Abrufbar unter: http://www.climatechange2013.org/images/report/WG1AR5_SPM_FINAL.pdf (letzter Abruf: 10.02.2015)

Gold Standard (Hrsg.) (2014): The real value of robust climate action. Impact investment far greater than previously understood. Abrufbar unter: http://www.goldstandard.org/report-the-real-value-of-robust-climate-action (letzter Abruf: 13.02.2015)

Keilbach, M. (2010): Der erwartete globale Klimawandel und seine Ursachen. In: In: Michler, G. (Hrsg.): Klimaschock. Ursachen, Auswirkungen, Prognosen. (h.f.ullmann Verlag) Potsdam.

Michler, G. (2010): Grundlage des Klimawissens. In: Michler, G. (Hrsg.): Klimaschock. Ursachen, Auswirkungen, Prognosen. (h.f.ullmann Verlag) Potsdam.

O’Brien, K. (2013): Global environmental change III: Closing the gap between knowledge and action. In: Progress in Human Geography.

Vetter, M. (2010): Unmittelbare Folgen für die Menschen. In: Michler, G. (Hrsg.): Klimaschock. Ursachen, Auswirkungen, Prognosen. (h.f.ullmann Verlag) Potsdam
.
UNFCCC (2009): Report of the Conference of the Parties on its fifteenth session, held in Copenhagen from 7 to 19 December 2009. Copenhagen Accord. Abrufbar unter: http://unfccc.int/resource/docs/2009/cop15/eng/11a01.pdf (letzter Abruf: 19.02.2015)

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